Dem Windriecher sei Dank
Konstanzer „Mistral“-Crew siegt bei West-Ost-Regatta - 245 Schiffe bei Bregenzer Traditionsregatta am Start.
Segeln: Trotz anfangs guten Windes wurde die Traditionsregatta des Bregenzer SC für viele zur Geduldsprobe. Mit 245 Schiffen war die Beteiligung an der West-Ost-Regatta auffallend gut.

Glückliche Gewinner der X-99: die „Mistral“ vom Schülersegelclub Konstanz.Bild: Thüringer
Rundum-Sieger Albert Schiess wiederholte seinen Erfolg in beeindruckender Manier und fuhr mit einer Gesamtzeit von nur 3:04:00 Stunden mit einer halben Stunde Vorsprung vor dem zweiten Katamaran über die Ziellinie. Wie viele andere entschied er sich rechtzeitig für die Schweizer Seite, die diesmal eindeutig bevorzugt war.
Die Langstrecke über den See hat ihre eigenen Gesetze. Das erfuhr leidvoll auch der bekannte Windfuchs und Vorarlberger Sieganwärter Fritz Trippolt, der mit seinem Katamaran „Skinfit“ nach kurzem Sonnendurchbruch auf die Thermik am deutschen Ufer setzte. „Ich war das nördlichste Boot in der Hoffnung auf den Landwind, der aber leider ausblieb, weil sich die Sonne wieder verabschiedete“, sagte er. Er erlitt dasselbe Schicksal wie alle, die das deutsche Ufer wählten und dort stundenlang in der Flaute parkten, während die Schiffe etwas jenseits der Seemitte gleichmäßig dahinzogen. Wie stark sich diese Kurswahl auswirkte, konnte an den extremen Zeitunterschieden bei baugleichen Booten abgelesen werden. Nach Start um 8 Uhr im Konstanzer Trichter blieb das Zeitlimit von 21 Uhr in Bregenz für einige unerreichbar.
Warum der Arboner Albert Schiesser auf seinem Katamaran „Holy Smoke“ überlegen als Erster durchs Ziel fuhr, begründete er mit einem Fingerzeig auf seine Nase und meinte damit, über den richtigen Windriecher verfügt zu haben. Den favorisierten neuen Karbonkat „Black Jack“ des Meersburgers Ralph Schatz ließ er alt aussehen, überholte ihn vor Friedrichshafen und setzte seinen Kurs bis vor Romanshorn, um dann ungefährdet und frei die Ziellinie vor Bregenz zu durchfahren. Mit seinem 22 Jahre alten Gerät, an dem im Vorjahr die Segel erneuert wurden, bewies er eindrucksvoll, dass das Material nicht alles im Segelsport bedeutet.
Hoch gelobt wurde vom Wettfahrtleiter des Veranstalters Bregenzer SC, Uli Diem, die Crew des Schülersegelclubs Konstanz, die auf ihrer „Mistral“ mit einer Viertelstunde Vorsprung die Klasse X-99 gewann. „Wenn man euch sieht, muss einem um die Zukunft des Segelsports nicht bange sein“, sagte er.
Den Hypo-Sonderpreis für das schnellste Schiff nach Yardstick berechneter Zeit erhielt Andreas Ammann vom Konstanzer YC. (ht)
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